Donnerstag, 11. Januar 2018

Safari in Kenia – Tieren in ihrem ursprünglichen Lebensraum begegnen

“Safari” bedeutet ganz einfach Reisen auf Kisuaheli. Wer schon einmal in Kenia war, der weiß, dass das Land mehr als nur Sonne und Meer zu bieten hat. Fernab vom Toruristenrummel und oftmals schneeweißen Stränden findet ein anderes Leben statt, das den Betrachter in seinen Bann zieht! Und noch immer ist Kenia die Nummer 1 was Safaris anbelangt Auf geht’s!


Nationalparks in Kenia
Massai Mara National Reservat
Das Massai Mara National Reservat ist eines der beliebtesten Ziele in Afrika und Höhepunkt einer jeder Kenia-Safari. Es spielt die Schlüsselrolle in der Erhaltung der weltweit größten Migration von Säugetieren. Das Reservat bedeckt 1,500 km² und erstreckt sich über große, offene Graslandschaften, die ideal sind, um das Tierleben zu beobachten.


Amboseli National Park
Der Amboseli liegt nord-westlich direkt am Kilimandscharo, an der Grenze zu Tansania. Der Amboseli- Nationalpark ist 1968 als Reservat gegründet worden, und 1974 zu einem Nationalpark geworden. Der Park ist 392 km² groß und nimmt einen Teil des 3000 km² großen Amboseli-Ökosystems ein. Die zahlreichen Tierarten machen den  Amboseli zu einem attraktiven Reise-Ziel in Kenia.



Tsavo Ost Nationalpark
Der Tsavo Ost ist der größte Nationalpark Kenias.
Wichtigste Attraktionen: Große Herden von Elefanten und andere Tiere. Der Park ist ein Einzugsgebiet für Besucher von den Küsten Resorts. Das Yatta Plateau, ungefähr 300 km lang, ist eins von den längsten Lavaströmen der Welt. Die Lugards Fälle am Galana Fluss. Es ist kein wirklicher Wasserfall, aber eine Reihe von Stromschnellen. Mudanda Rock ist eine große Felsformation, ca. 1,6 km lang. Es gibt einen Staudamm an der Basis. Tiere können beim Trinken beobachtet werden. 


Tsavo West National Park
Der Tsavo West National Park repräsentiert etwa 30 Prozent der kenianischen Parkanlage und enthält eine Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und atemberaubender Berglandschaft. Der Park ist eine weite Savannenlandschaft und  erstreckt sich von Mtito Andei entlang der Straße Mombasa- Nairobi und südlich der Grenze zu Tansania. Die nordöstliche Grenze entlang der Autobahn grenzt an den Tsavo Ost Nationalpark. Die Lebensräume des Parks sind offene Flächen im Wechsel mit Savanne-, Busch- und Halbwüsten, Buschland und Akazienwald.


Die Tierwelt Kenias
Neben den bekannten „Big Five“- Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel – gibt es eine große Artenvielfalt an Antilopen, Vögeln und natürlich Nashörner, Zebras, Flusspferde und Krokodile.
Während man den scheuen Leoparden, der nur nachts auf die Jagd geht, kaum zu Gesicht bekommt, begegnet  einem der vom Aussterben bedrohte Gepard, der eine Geschwindigkeit von 110 km/h erreichen kann, öfter auf Safaris.


Afrikanischen Elefanten haben Stoßzähne, die bei dem Männchen bis zu drei Meter lang werden können  Solange sie nicht bedroht werden, sind sie äußerst friedliebend. Kommt man allerdings den Kühen mit ihren Kälbern zu nahe, reagieren die Weibchen aggressiv. Sie drohen mit einem erhobenen Rüssel, schwenkenden Ohren und schütteln ihren Kopf hin und her. Kurz bevor sie angreifen, warnen sie ihren Gegner mit lauten Trompetentönen.


Eine neugeborene Giraffe hat die Größe eines erwachsenen Menschen. Ein Giraffenbulle wird über fünf Meter hoch und bringt fast 1000 Kilogramm auf die Waage. Der lange Hals der Giraffe ermöglicht ihr, an die Blätter der höchsten Äste zu gelangen.


Das Nashorn gehört schon seit rund sechzig Millionen Jahren zu den Erdbewohnern.Ein ausgewachsenes Nashorn wiegt bis zu zwei Tonnen. Trotz dieses Gewichts sind Nashörner recht beweglich und können eine Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen.


Der Löwe, die größte Raubkatze Afrikas, gilt als König der Tiere. In Kenia  kann  man  besondere Löwen ohne Mähnen bewundern.


In der Voi-Lodge in Tsavo Ost sind Steppenpaviane häufige Gäste und in außergewöhnlicher Nähe zum Menschen kann man ihnen auf den Spaziergängen begegnen. Es gilt daher die dringende Vorsicht zu beachten, keine Lebensmittel in den Händen zu halten, oder die Tiere zu füttern, denn es handelt sich bei diesen Steppenpavianen um Wildtiere, die dieses Gebiet nur durchstreifen auf der Suche nach etwas Essbaren. 


Sie sind manchmal sogar so dreist, dass sie die Hauswände erklimmen um nach offenen Fenstern zu suchen.(Quelle: http://www.safari-afrika.de/)



Die Massai sind ein nomadisch lebendes indigenes Hirtenvolk in Afrika, das in den weiten Ebenen im Süden Kenias sowie im Norden Tansanias beheimatet ist. Die Massai sind die wohl bekannteste Volksgruppe Ostafrikas. Die Massai halten einerseits an alten Traditionen und Lebensweisen fest, verstehen es aber andererseits auch, ihre Kultur touristisch zu vermarkten.
Es gibt ca. 1.000.000 Massai, wobei 350.000-500.000 in Kenia leben. Die Massai sind als Krieger (moran) und Viehhirten (Rinder) berühmt. Ihre Kultur dreht sich rund um die Rinder. Die Hütten der Massai sind aus getrocknetem Kuhdung. Das Trinken von Kuhblut, teilweise vermischt mit Milch, gehört ebenfalls zum Leben und den Zeremonien dazu.


Es gibt viele Zeremonien. Sehr bekannt ist das springende Tanzen der Männer. Die jungen Massai, morani, springen dabei auf der Stelle so hoch wie möglich und beweisen so ihre Stärke. 


Das Töten eines Löwen war früher Voraussetzung, eine Frau haben zu dürfen. Es gibt Anzeichen, dass dies in abgelegenen Gebieten auch heute noch zelebriert wird. 


Ebenso mussten die jungen Männer oft jahrelang in einem eigens von ihnen gebauten Dorf wohnen. Dafür gibt es heute keinen Platz mehr.
Bei den Massai haben die Frauen hohes Ansehen und viele Mitspracherechte.


Von verschiedenen Reiseveranstaltern  werden rund um das Jahr Flug- und Jeep-Safaris von unterschiedlicher Dauer angeboten. In den Nationalparks stehen zweckmäßig  eingerichtete Lodges zur Verfügung.  Allzu gern wird eine Safari mit einem Badeaufenthalt an den schönen Stränden Kenias verbunden. Besonders schön sind der Turtle Bay Beach und der Mapangu Beach  in Watamu sowie der Diani Beach an der Südküste Kenias.




Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt:
Die Kenia-Küche ist eine bunte Mischung, die durch die Einflüsse verschiedener Völker entstand. Dank dieser unterschiedlichen Kulturen entwickelte sich das Essen in Kenia als sehr abwechslungsreich und vielfältig. Besonders haben die Araber, Inder und Europäer die Kenia Küche geprägt. Wer mutig ist, probiert auch die einheimische Kost wie den Maisbrei Ugali, Süßkartoffeln mit Kokosnuss oder gebratene Heuschrecken.
Beliebte Mitbringsel sind handgeschnitzte Giraffen-, Elefanten- und Massai-Figuren sowie Schachbretter und Figuren aus Speckstein.


Buchtipp:

Mit Nepomuck auf Weltreise


Wie funktioniert eigentlich ein Heißluftballon, und wie leben die Eskimos heute? Was passiert, wenn ein norwegischer Kobold auf einen irischen Leprechaun trifft, und was kann man im Karina-Verlag so alles anstellen? Begleitet den lustigen Kobold Nepomuck auf seinen Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Afrika und Australien und lernt Menschen, Tiere und verschiedene Kulturen hautnah kennen. Folgt ihm auf den Spuren der Hobbits, und werft mit ihm seinen ersten Bumerang. Die tollsten Abenteuer warten auf euch, denn wo Nepomuck sein Unwesen treibt, da wird es nie langweilig!

Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 140 Seiten
Verlag: Nova MD; Auflage: Erstauflage (12. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3961112762
ISBN-13: 978-3961112760
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 12 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 15 x 1,7 x 21 cm
Eine Empfehlung von Spaß und Lernen und pädagogisch wertvoll.

Leseprobe aus dem Buch:
Am nächsten Morgen werden die Safari-Teilnehmer früh geweckt. Es herrscht noch Dunkelheit als sie in den Geländewagen steigen. Denn wenn man wilde Tiere beobachten will, muss man schon vor Sonnenaufgang auf den Beinen sein. Proviant wird mitgenommen. Unser kleiner Kobold fröstelt, hier ist es viel kälter als an der Küste.
Die Fahrt führt eine ganze Weile durch die ebene Landschaft.
Am Wegrand steht ein großer dünner Mann mit einem roten Umhang: Ein Massai! Er stützt sich auf einen Stab und steht auf einem Bein, das andere hat er angewinkelt. Neben ihm grasen Ziegen.
„Die Massai sind ein Nomadenvolk. Sie leben in Hütten, die sie aus Zweigen, Gras und getrocknetem Kuhdung bauen, inmitten ihrer Rinder und Ziegen. Von Zeit zu Zeit ziehen sie weiter. Früher waren sie gefürchtete Krieger“, erklärt der Fahrer.
Nepomuck erkennt ein paar flache Massai-Hütten, die dicht beieinander stehen und von einer Dornenhecke umgeben sind, die sie und ihr Vieh vor wilden Tieren schützen soll. Solch eine Siedlung nennt man einen „Kral“.
Die Reise führt an friedlich grasenden Zebras vorbei.
„Die sehen wie Pferde aus, die man schwarz und weiß angestrichen hat“, stellt Marie fest. Tatsächlich gehört das Zebra zur Familie der Pferde, erfahren die Teilnehmer dann. In freier Wildbahn leben diese Huftiere aber nur in Afrika.
„Die Streifen dienen zur Tarnung, ein Raubtier kann dadurch die einzelnen Tiere in der Herde viel schwerer ausmachen“, informiert der Mann am Steuer. Plötzlich jagt etwas neben dem Wagen entlang.
Ein Gepard! Nepomuck weiß, dass Geparde sehr flink sind und fragt den Fahrer, wie schnell sie genau sind. „Oh, sie können auf kurzen Strecken bis zu 112 Kilometer in der Stunde schaffen, also ganz bequem neben einem Auto herlaufen – aber eben nur kurze Zeit. Sie haben sehr lange Beine, einen kleinen Kopf und einen schlanken Körper. Dafür ist aber ihr Gebiss nicht so stark wie das eines Leoparden zum Beispiel.“
Aufgeregt und begeistert zeigt Nepo nach links. „Dort sind Elefanten!“
„Die können richtig gefährlich werden, wenn man ihnen zu nahe kommt. Manchmal greifen sie sogar ein Fahrzeug an und versuchen es umzustoßen. Besonders gefährlich sind Einzelgänger. Ein Elefantenbulle kann über drei Meter groß werden und wiegt bis zu fünf Tonnen. Auch mit ihren Stoßzähnen ist nicht zu spaßen, die können fast drei Meter lang werden. Übrigens kommt ein Elefantenkalb schon mit einem Gewicht von fast 100 Kilo auf die Welt“, erklärt der Fahrzeuglenker ernst.
Ehrfurchtsvoll schauen alle zu der Elefantenherde hinüber, die von weitem so harmlos wirkt. Ab und zu springen jetzt Affen auf das Dach des Geländewagens und werden durch die offenen Fenster mit Proviant gefüttert. Nepomuck stellt fest, dass die hartgekochten Eier ganz besonders großen Anklang finden. 


„Vorsicht, diese Paviane sind sehr frech und vorwitzig“, warnt der Fahrer noch – doch zu spät! Ein langer behaarter Arm langt durch das Fenster – und schon ist der Frechdachs mit Maries bunter Schirmmütze auf und davon! Nepo beobachtet, wie der Pavian sich die Kappe in sicherer Entfernung auf den Kopf setzt und dabei die Zähne bleckt, als wolle er lachen. Die Kopfbedeckung leuchtet rot, grün und gelb in der Tropensonne. Marie macht große Augen und prustet los. Da lachen dann alle anderen fröhlich mit.
Schon ist es Zeit für den Rückweg. Zwei Löwen ruhen im Schatten eines Baumes, eine Giraffe schreitet stolz vorbei.
„Löwen leben in Rudeln und jagen meist im Dunkeln. Giraffen können wochenlang ohne Wasser auskommen. Ihr Hals kann 3 Meter lang werden. Damit erreichen sie selbst die Blätter an hohen Bäumen.“
Nepomuck ist noch ganz in Gedanken, als der Wagen schließlich vor der Anlage hält. Heute hat er viel gesehen und gelernt. Dabei kam er gar nicht auf die Idee, irgendwelchen Blödsinn zu verzapfen.
Kaum zu sagen, welches Tier mir am besten gefallen hat! Alle sind sie etwas Besonderes, und jedes hat seinen Platz auf dieser Welt.

Mit Illustrationen von Renate Becker.


©byChristine Erdic 

Freitag, 1. Dezember 2017

Märchenwelt Småland

Das im südlichen Schweden gelegene Småland ist durch Astrid Lindgren und ihre unvergesslichen Geschichten über Pippi Langstrumpf , die Kinder aus Bullerbü und Michel aus Lönneberga bekannt. Die Autorin ist in Vimmerby aufgewachsen und sicherlich die berühmteste Småländerin der Welt.


Doch das Kulturzentrum, das im Jahr 2007 zum 100. Geburtstag von Astrid Lindgren eröffnet wurde, und die Villa Kunterbunt im Themen- und Theaterpark sind noch längst nicht alles, was Småland zu bieten hat.



Die Gemeinden Alvesta, Ljungby und Älmhult stellen zusammen ein echtes Märchenland dar!

Über diesem Teil Smålands muss es sehr viel geregnet haben, so viele Unwesen und böse Geister, wie es hier gibt. Und wo Unwesen und böse Geister existieren, gibt es auch haufenweise alte, spannende Sagen und Erzählungen. Willkommen bei einer Reise mit spannenden Abenteuern und Ausflugszielen für die ganze Familie! Es geht um Trollberge und Riesenwürfe, um die Wasserhöhle des Nöcken, Drachenschätze und Trollbäume, und auch um Herrenhäuser in denen es spukt! Eine Reise ins Märchenland ist eine unvergessliche Fahrt durch eine Landschaft, in der es überall Märchengestalten und böse Geister gibt!
(Quellennachweis: http://www.sagobygden.se/de/das-marchenland)



Märchenmuseum in Ljungby: Sagen von Kobolden und Trollen


Wer mit seinen Kindern in eine faszinierende Welt eintauchen möchte, der sollte unbedingt das Märchenmuseum von Ljungby besuchen. Die Sagen haben die vergangenen Jahrhunderte überlebt, und deren Akteure wie Hexen, Kobolde, Gespenster und Trolle werden im Museum zum Leben erweckt.


Besucher können dabei schon einmal auf einen der legendäre Trolle treffen, die gerade in Norwegen, Schweden oder Island in den Sagas zu Hause zu sind.


Mit ihnen musste man sich gut stellen, um beispielsweise ein gutes Leben zu haben. Aber auch Gespenster, Hexen, der legendäre Näck und die Waldfrau haben im Museum ihren Platz gefunden.
(Quellennachweis: http://smalandschweden.de/189-maerchenmuseum-in-ljungby-sagen-von-kobolden-und-trollen#more-189 )

Eine Broschüre informiert den Besucher des Museums über Sagen und Märchen .Alle wichtigen Plätze sind auf einer Karte verzeichnet. Rınd um die Städte Ljungby, Alvesta und Älmhult im südwestlichen Småland machen Hinweisschilder auf Märchenorte in der Nähe aufmerksam. Wer die Geschichten gerne selbst nachlesen möchte, findet eine vielfältige Auswahl in dem Sammelband "Der verzauberte Pisspott".



Weitere märchenhafte Literatur:

Nepomucks Märchen


Kobold Nepomuck entführt euch in die bunte Welt der Märchen. Und hier ist allerlei los! Das ganze Zauberland steht Kopf, denn der vergessliche Zauberer Ugoblix hat sein Zauberbuch verlegt, Ginny findet sich an ihrem siebten Geburtstag plötzlich im Elfenland wieder, Nepomuck reist mit einem Flaschengeist durch die Lüfte und Jenny versucht das Märchenland zu retten, das die Hexe Babula in einem See aus flüssiger Schokolade ertränken will.
Zu jedem der 14 spannenden Märchen gibt es ein lustiges Ausmalbild - so können die kleinen Leser das Buch ganz individuell mitgestalten.
Neugierig geworden? Dann auf ins Märchenland!

Kobold Nepomuck begeistert Groß und Klein mit seinen Geschichten.
Bisher erschienen:
Nepomucks Abenteuer
Mit Nepomuck auf Weltreise
Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde
Zauberhafte Gerichte aus der Koboldküche

Lesevergnügen für jedes Alter!

Leseprobe aus dem Buch

Die Koboldhexe

Es war einmal eine Koboldhexe. Ihr kleines Haus stand tief versteckt im Wald, dort wo er am dunkelsten und undurchdringlichsten ist.
Im Kobolddorf herrschte große Aufregung, und diesmal war ausnahmsweise einmal nicht Nepomuck daran schuld. Der Koboldjunge mit der schwarzen Haarbürste hatte schon so manches auf dem Kerbholz, und vor allem Gebäck war vor ihm nicht sicher.
Doch diesmal ging es nicht um ihn sondern um sein kleines Schwesterchen Nelly. Sie lief noch recht tapsig auf ihren kurzen Beinchen durch die Gegend, und dennoch war sie einfach verschwunden. Alle Häuser wurden durchsucht, in jeden Winkel und jede Kiste geschaut. Keine Spur von der Kleinen!
„Sie wird doch nicht in den Wald gelaufen sein?“, fragte Mutter ängstlich.
Nepomuck machte sich sofort auf den Weg. Für ein Koboldmädchen, das noch keine zwei Jahre alt war, barg der norwegische Wald so mancherlei Gefahren.
Nepomuck lief und lief bis er in ein ihm völlig unbekanntes Gebiet kam. Hier standen die Nadelbäume dicht an dicht und schienen alles Leben zu erdrücken. Kein Vogel sang, und auch sonst ließ sich kein Tier blicken. Der Koboldjunge stolperte weiter über Wurzeln und Unebenheiten am Boden. Dann sah er die Hütte, umgeben von giftigen Fliegenpilzen.
Wer mochte hier wohl hausen? Sicherlich eine böse Hexe. Dem Kobold lief ein Schauder über den Rücken, denn einladend sah das hier nicht gerade aus. Dennoch musste er fragen, ob Nelly hier vorbeigekommen war.
Knarrend öffnete sich die Tür, noch bevor Nepomuck anklopfen konnte. Erstaunt sah er auf die rundliche Gestalt mit der dicken Knubbelnase, die plötzlich vor ihm stand.
„Was ist dein Begehr?“, fragte sie mit krächzender Stimme.
Nepomuck schielte misstrauisch auf den kleinen bunten Papageien, den die Hexe auf der Schulter hatte. Eigentlich gehörte dort eine schwarze Katze hin, so kannte er es zumindest aus den Märchen.
„Ich suche mein Schwesterchen Nelly. Sie ist noch klein, hat schwarzes Haar und einen Schnuller im Mund. Hast du sie vielleicht gesehen?“, fragte Nepomuck, alle Scheu überwindend.
„Komm doch rein, mein Junge. Wir sehen gemeinsam nach“, lockte die Hexe. Das Unbehagen des Kobolds wuchs.
„Bist du eine Hexe?“, fragte er jetzt ganz direkt.
„Ja, so sagt man zumindest. Hast du irgendwelche Zweifel daran?“
Die kugelförmige Frau mit der rotkarierten Schürze und dem schneeweißen Haar musterte ihren Gast aufmerksam.
„Naja“, stotterte der Kobold verlegen, „I … ich dachte immer, Hexen sehen anders aus, ähm, dünner, größer und mit einer Katze auf dem Buckel.“ Die lange Nase mit der hässlichen Warze konnte er sich im letzten Moment gerade noch verkneifen.
Die Hexe lachte: „Soso. Und nun bist du enttäuscht?“
„Ein wenig schon. Du hast ja nicht einmal Lebkuchen am Haus!“, platzte es aus Nepomuck, der ein kleines Schleckermäulchen war, heraus.
„Du hast wohl einmal zu oft Hänsel und Gretel gelesen“, die Hexe hielt sich glucksend den Bauch, und der Papagei kreischte durchdringend bevor er ebenfalls meckernd lachte. Das klang richtig unheimlich!
„Komm nur rein, den Lebkuchen bekommst du drinnen. Du glaubst doch nicht ernsthaft, ich befestige was Süßes am Haus? Da würde es bald nur so von Gewürm, Insekten und sonst noch so allerlei Getier wimmeln, und in Kürze wäre alles für die Katz. Ich bin übrigens Abraxa, die Koboldhexe.“
Nepomuck folgte ihr ins Haus und blieb dann überrascht stehen. Drinnen sah alles ganz anders aus, so richtig gemütlich mit einer Kochstelle am Kamin und vielen bunten Kissen auf dem Boden. Und auf einem von ihnen saß Nelly und knabberte vergnügt an einem Lebkuchenherz.
„Guuu“, machte sie mit vollem Mund und strahlte dabei ihren Bruder an.
Der lachte erleichtert auf. „Oh Nelly, wir haben uns ja solche Sorgen gemacht! Du darfst nie wieder fortlaufen!“
Dann überlegte er: Ob es wohl einen leeren Hühnerstall hinter dem Haus gab? Und eine Truhe voll Gold irgendwo versteckt? Abraxa schien seine Gedanken zu erraten. Sie grinste und reichte ihm einen Teller mit Lebkuchen.
„Was meinst du zu einer Tasse Kakao?“, fragte sie dann. Da konnte Nepomuck unmöglich widerstehen. Er aß und trank, bis sein Bauch so kugelrund wurde wie der der Hexe. Dann erhob er sich schwerfällig und nahm Nelly an die Hand.
„Vielen Dank, Koboldhexe. Aber nun müssen wir gehen. Unsere Eltern machen sich Sorgen.“ An der Tür wandte er sich noch einmal um. „Warum wohnst du eigentlich nicht im Kobolddorf?“
Abraxa kicherte: „Hexen wohnen doch immer etwas abseits, oder?“ Das leuchtete dem Koboldjungen ein. „Kommt mich doch mal wieder besuchen! Aber verratet niemandem von meinem Haus hier im Wald. Das soll unser Geheimnis bleiben.“
Nepomuck nickte feierlich: „Großes Koboldehrenwort!“
Als sie zwischen den dunklen Bäumen verschwanden, sah die Hexe ihnen zufrieden hinterher. Der Anfang war gemacht. Sie hatte Zeit.
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann wartet sie noch heute.

Produktinformation


. Taschenbuch: 140 Seiten

· Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (13. November 2017)

· Sprache: Deutsch

· ISBN-10: 3746019265

· ISBN-13: 978-3746019260

· Vom Hersteller empfohlenes Alter: 5 - 8 Jahre

Nepomucks Märchen

Über die Autorin
Die 1961 in Deutschland geborene Schriftstellerin Christine Erdiç, die seit dem Millennium in der Türkei lebt, hat sich anscheinend den kleinen Zauber- und Naturwesen verschrieben.
Nachdem 2010 NEPOMUCKS ABENTEUER, die Geschichte eines kleinen Kobolds, der unfreiwillig unter dem Weihnachtsbaum einer Menschenfamilie als Weihnachtsgeschenk landet, im Handel erschien, folgten 2013 ZAUBERHAFTE GERICHTE AUS DER KOBOLDKÜCHE, ein Kochbuch mit so klangvollen Rezeptnamen wie Kobolds Goldtaler und Punsch für kleine Kobolde und 2014 GESCHICHTEN AUS DEM REICH DER HEXEN, ELFEN UND KOBOLDE, ein Kinderbuch mit lustigen Ausmalbildern.
Wenn man die sympatische Autorin fragt, warum sie gerade diese Art von Büchern schreibt, so lautet ihre Antwort: " Weil es mir selber Spaß macht und ich die Leser in dieser viel zu hektischen und von Konsum und Umweltzerstörung gezeichneten Gesellschaft auf humorvolle Weise zum Nachdenken bringen möchte. Und wo kann man da besser ansetzen als schon bei den Kindern."




©byChristine Erdic

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Perle des Salzkammerguts


Der Wolfgangsee wurde vom Bischof Wolfgang aus Regensburg als Rückzugsort entdeckt, der bald darauf Pilgerströme anzog. 


Seit dem Mittelalter ist St. Wolfgang ein bedeutender christlicher Wallfahrtsort. Heute kommen auch aus allen Kontinenten Touristen in diese viel besungene Region zwischen der Festspielstadt Salzburg, Fuschlsee, der Kurstadt Bad Ischl, dem Traunsee und den Salzbergwerken Hallstatt - Bad Aussee.





Als einer von mehr als 70 kleinen und größeren Seen des Salzkammerguts, garantiert der Wolfgangsee Erholung bei vielerlei Sportaktivitäten in Kurzurlauben oder längeren Aufenthalten: Tennis, Reiten, Golfen, Schwimmen, Rudern, Segeln, Surven, Paragleiten, Ballonfahren, Fallschirmspringen, Wandern, Bergsteigen, Klettern, Schiabfahren, -langlaufen oder –touren gehen, Radfahren oder Joggen. Jedes Jahr am dritten Wochenende im Oktober starten mehrere tausend Läufer in St. Wolfgang zum 27 km - Rundlauf  durch die anderen Gemeinden am See: St. Gilgen und Strobl.





Einladende Restaurants und Jausenstationen sind reichlich vorhanden.
Im Frühling, Sommer und Herbst spiegeln die blumengeschmückten Häuser, Gärten und Wiesen die Schönheit der umgebenden Natur.


Durch die meistgespielte und verfilmte Operette mit Texten wie „Im Weissen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür“ oder „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ wurde die fröhliche Mentalität der Einwohner fast legendär. Zur Tradition gehören der einheitliche Stil alter Bauernhäuser, die farbenfrohen Dirndlkleider der Frauen und bestickten hirschledernen Hosen der Männer, aber vor allem das fröhliche Musizieren und Tanzen.




Kulturgeschichtlich Interessierte finden vielerlei zu entdecken um den Wolfgangsee. Wer weiß, dass die Mutter Mozarts in St. Gilgen am 25. Dezember 1720 geboren ist? Am selben Tag wurde sie in der katholischen Pfarrkirche getauft, in der 1712 Mozarts Großeltern getraut worden waren. Im Geburtshaus der Mutter, dem ehemaligen Bezirksgericht, lebte die Schwester von Wolfgang Amadeus, die Pianistin ‚Nannerl’ (Maria Anna 1751-1829), von 1784 bis 1801 als Ehefrau des Pflegers (=Richters) Johann Baptist zu Sonnenburg. Dieser war Amtsnachfolger des Großvaters von Wolfgang Amadeus Mozart.
Im Musik-Instrumente-Museum der Völker in der Aberseestr.11 in St. Gilgen erwarten große und kleine Besucher ca. 2000 Musikinstrumente, die in verschiedenen Themenführungen beeindruckend vorgeführt werden.
Im selben Kulturhaus finden wechselnde Ausstellungen bedeutender Werke der ‚Zinkenbacher Malerkolonie’ statt. Zinkenbach ist eine Ortschaft am Gebirgsbach gleichen Namens, der zwischen St. Gilgen und Strobl in den Wolfgangsee fließt und Geröll an der Mündung ablagert, wodurch der Wolfgangsee in der Mitte immer enger wird. Dort, im heute Abersee genannten Ort, fanden zwischen 1927 und 1938 bis zu 27 Landschaftsmaler, z.B. Mitglieder der Wiener Vereinigung ‚Sezession’, ein Sommer- und auch teilweise Winterquartier (Rudolf Wacker, Greta Freist, Viktor Planckh, Wilhelm Träger…). Titel der Ausstellung 2017: „Einfache Wahrheit – Meisterwerke der Zwischenkriegskunst aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank.“
Auch Dichter und Schriftsteller hielten sich am Wolfgangsee auf, wie zum Beispiel Marie von Ebner Eschenbach (1830-1916), die Sommer von 1889 bis 1898 in St. Gilgen verbrachte.
Auf dem Grundstück der Villa, wo sie wohnte, befindet sich heute die ‚International School St. Gilgen’ www.stgis.at.
Die Schauspieler Emil Jannings, Marika Röck, Theo Lingen besaßen je ein Wohnhaus in Strobl. 



Die überaus zahlreichen Tagestouristen gewinnen bei Führungen in die Wallfahrtskirche St. Wolfgangs einen Einblick in besonders kostbare Kunstwerke aus dem Mittelalter und aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der 1479 fertiggestellte Flügelaltar von Michael Pacher aus Brunneck in Südtirol blieb an seinem ursprünglichen Standort vollständig erhalten.  Der barocke Doppelaltar in der Mitte der Kirche mit dem Gnadenbild des Hl. Wolfgang aus der Zeit um 1400 in einem Schrein wurde von dem „Genie, Lebemann und Schelm“ Thomas Schwanthaler (1634 – 1707) gestaltet. Die reich geschmückte Kanzel, der Rosenkranzaltar neben dem Aufgang zur Wolfgangkapelle und der ‚Schmerzensmann’ zwischen zwei Seitenaltären stammen  vom Stiftsbildhauer des Klosters Mondsee Meinrad Guggenbichler (1649-1723).
Wer klassische Musik schätzt, sollte sich die ‚Internationalen Kirchenkonzerte’ dort in den Monaten Juli, August – jeweils Sonntag abends – nicht entgehen lassen.
Bei einem Rundgang durch das Zentrum von St.Wolfgang sind Renaissancebauten und Barockmalereien zu entdecken.


Besonders in Strobl und St. Gilgen blieben Villen aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Durch sie hielt städtische Wohnkultur in das Salzkammergut Einzug. Die Volkskultur der Region, sichtbar an Häusern, Kapellen, Wegkreuzen und Möbeln, zeigt die Natur- und Religionsverbundenheit vieler Generationen.
Bei einer Wanderung  oder Fahrt mit der Zahnradbahn auf den über 1700 m hohen Schafberg von St. Wolfgang aus erschließt sich bei Schönwetter ein überwältigender Rundblick auf Berggipfel, Gletscher, Seen und das hügelige Alpenvorland.


Zwischen den drei Wolfgangsee-Gemeinden verkehren seit 1873 Schiffe (heute 6 unterschiedliche Schiffe, das größte kann bis zu 365 Passagiere befördern). An einem der sieben Landestege auszusteigen, ein Stück am See entlang zu wandern und an der nächsten Anlegestelle wieder ein Schiff zu besteigen ist besonders reizvoll und vermittelt einen Eindruck von der reichen Vielfalt der Landschaft.



Die Freude an der Kreativität im Jahreslauf findet in der Advent- und Weihnachtszeit einen Höhepunkt. Besucher des Adventmarktes können in St. Wolfgang lebensgroße Krippenfiguren, die ein einheimischer Holzbildhauer geschnitzt hat, vor dem Pfarramt bestaunen. In Strobl wird der Adventmarkt ‚Krippendorf’ genannt.  Die  neun- bis zehnjährigen Schüler jedes Jahrgangs beginnen bald nach den Sommerferien mit Vorbereitungen für die Ausstellung ihrer selbstgebauten kleinen Krippen. In einer zweiten Krippenausstellung im Saal über der Raiffeisenbank sind alte und neue Künstler-Krippen und am See um den Musikpavillon lebensgroße Krippenfiguren zu bewundern. In St. Gilgen schweben über den Marktständen barocke Engel.



Die Schiffe verkehren auch in der Advent- und Weihnachtszeit zwischen den Wolfgangseegemeinden. Von weit sichtbar schwimmt auf dem See vor der Kirche von St. Wolfgang eine über sieben Meter hohe Laterne mit dem „Friedenslicht“.


Gastfreundliche Einwohner, gepflegte Hotels und viele Freizeitangebote rund um den See locken in den vier Jahreszeiten Besucher an den Wolfgangsee. Zum Beispiel können in einem mit moderner Wärmepumpentechnik beheizten Becken im See Gäste bei jeder Außentemperatur schwimmen.

Literaturtipp:

Der Urlauber am Wolfgangsee braucht auch auf regionale Lektüre nicht verzichten. Klaus Kurt Löffler hat heitere und spannende Detektivgeschichten geschrieben, die im Salzkammergut angesiedelt sind. Er hat die Region selbst als Urlauber erlebt und die Eindrücke in seinen Büchern verarbeitet. Seine Geschichten wenden sich an Kinder und Jugendliche, sind aber auch für Erwachsene interessant.



Klaus Kurt Löffler ist Jugendbuchautor und gibt eine Detektivreihe mit den Haupthelden Max und Micha heraus, die im Salzkammergut angesiedelt ist. Coole Junior-Detektive erwarten euch und Fälle, die das Herz öffnen. Spannend, ohne Gewalt zu verherrlichen. Die Junior-Detektive beweisen, dass zumeist schon das Köpfchen zur Lösung ausreicht. Auch der Humor kommt in den Geschichten nicht zu kurz. Ein Leseabenteuer für die ganze Familie. Bisher sind 16 Fälle als Print erschienen, ab Band 6 auch als eBook. Alle eBooks sind noch im 99 Cent Angebot. Mit KindleUnlimeted gratis.

Die Bücher können beim Verlag, im Buchhandel oder im Internethandel (z.B. Amazon) bestellt werden. Aber natürlich auch im Verkaufsshop des Autors, hier portofrei mit Widmung.

AMAZON: http://t.co/NjjWLkAO
AUTORENSHOP: http://maxundmicha.eu/


Leseprobe *AUF DER SUCHE NACH DEM VERSCHWUNDENEN MÄDCHEN*



Kapitel 8: Nachtwache
Die Schlottermühle lag erleuchtet unter ihnen und warf einen Lichtschimmer in die stockfinstere Nacht. War die Waldschlucht schon am Tage düster und bedrückend, so wirkte sie jetzt schauerlich und bedrohlich.
In der Finsternis hatten sie den schmaler Pfad kaum gefunden, der von den Gleisen der Schafbergbahn hinunter zur Mühle führt. Taschenlampen durften sie ja nicht benutzen. Hand in Hand tasteten sie sich vor, stolperten über Steine und Baumwurzeln. Feucht, zerkratzt und zerschunden erreichten sie endlich ihren Beobachtungsposten auf der gegenüber liegenden Bachseite. Micha hatte diesen Ort gewählt, weil sie von hier aus sowohl das Gebäude als auch die zur Höhle führende Schlucht überblicken konnten.
Nun saßen sie hier, eine Ewigkeit schon, wie es schien, frierend und entmutigt. Max war froh, dass er nicht allein war. Das nahm etwas von der Beklommenheit, die als schmerzhafter Druck auf der Brust saß. Micha ging mit der Situation gelassener um. Er hatte zwar auch, »das ist ja entrisch«, gemurmelt, was so viel wie unheimlich hieß, dann aber doch eine Ruhe und Zuversicht an den Tag gelegt, die nach den Umständen nicht gerechtfertigt war.
Als es hinter ihnen im Gebüsch knackte, schreckte Max zusammen. Wer oder was nahte da? Er konnte nicht leugnen, dass ihn die Finsternis mit Angst erfüllte, zumal ihm die Geistergeschichten des kleinen Mannes noch im Kopf herumspukten. Auch seine körperliche Verfassung ließ zu wünschen übrig. Er war nass, fror und hatte vom langen Warten steife Glieder. Er verfluchte, dass er sich bei dem Wetter überhaupt auf die Sache eingelassen hatte. Dabei hätte alles ganz anders sein sollen.
»Die Nacht ist für eine Beobachtung optimal«, hatte Micha gesagt, nachdem er Mondtabellen und den Wetterbericht studiert hatte. »Wir haben Vollmond! Da ist es taghell. Und es bleibt warm und trocken.« Das war alles ein frommer Wunsch geblieben. Der Mond hatte sich hinter schwarzen Wolken versteckt, sodass man die Hand vor den Augen nicht sehen konnte. Nur ab und zu rissen sie auf und gaben eine Vorstellung davon, wie hell es eigentlich hätte sein können. Zudem war es kalt geworden. Von Zeit zu Zeit kam von oben ein leichter Schauer. Er durchdrang die Blätter des Waldes kaum, erzeugte aber eine Feuchtigkeit, die durch die Ritzen der Kleidung kroch.
An der Mühle hatte sich vorerst nichts anderes getan, als dass ein Licht nach dem anderen erlosch, bis nur noch die Außenbeleuchtung brannte. Dass sich nichts ereignet hatte, stimmte nicht ganz. Gleich nachdem sie ihren Posten bezogen hatten, war ein Bekannter aufgetaucht. Auf der anderen Uferseite war der Geologe mit seinem Rucksack zur Schlottermühle hinabgestiegen und darin verschwunden. »Was will der hier?«, fragte Max. »Abendessen«, vermutete Micha. »Wir werden sehen, wann er das Gebäude wieder verlässt.« Das war dann aber nicht mehr geschehen.
Max sah auf die Armbanduhr und musste feststellen, dass es bereits halb zwei Uhr war. Langsam begannen die Glieder zu schmerzen und die Kälte drang immer tiefer in den Körper ein. Um sich zu wärmen, stand er auf und schlug die Arme um den Leib. Er wollte gerade vorschlagen, die Sache aufzugeben, als Micha ihn herunterzog und zischte: »Kusch, da kommt jemand den Weg herab!« Max ging sofort in Deckung. In der Tat waren vorsichtige Schritte zu hören, die von oben langsam näherkamen. Der Unbekannte versuchte ebenfalls, den steilen Pfad ohne Licht zu bewältigen. Das ging nicht ohne Flüche und Schmerzenslaute ab.
Unmittelbar an dem Gebüsch, hinter dem die Beobachter steckten, machte der Weg eine Biegung nach links. Der Hang fiel hier steil in den Bach ab. Im schwachen Licht, das die Außenbeleuchtung der Mühle heraufwarf, war sie kaum zu sehen. Der Ankömmling kannte oder erkannte die Kehre nicht. Vielleicht stolperte er auch nur an der falschen Stelle. Auf jeden Fall ertönte ein Schrei und Zweige brachen.
»Pfloatsch! Jetzt haben wir ein Problem!«, sagte Micha alarmiert. »Wenn wir nicht helfen, wird er uns die Tour vermasseln.« Mit zwei Sprüngen waren sie auf dem Weg. Hilferufe zeigten, wo sie suchen mussten. Der Passant war durch das Gesträuch gebrochen, das den Felsabsturz säumte, und hing nun, mit den Füßen im Gestrüpp verfangen, hilflos über dem Abgrund. Er war gerade dazu übergegangen, alle Schutzheiligen laut um Beistand zu bitten.
»Still!«, flüsterte Micha. »Wir holen dich raus, wenn du nicht die ganze Nachbarschaft aufweckst.«
Der Verunglückte verstummte und antwortete dann in gedämpfterem Tonfall, doch immer noch voller Panik: »Aber schnell! ... Mich halten nur ein paar Zweige!«
Micha kroch mit dem Kopf voran in das Gestrüpp. Als er den Unglücksraben erreicht hatte, packte er ihn an den Fußgelenken. Dann gab er Max ein Zeichen, der die beiden vorsichtig Zentimeter um Zentimeter zurückzog. Das ging nicht ohne Schrammen ab. »Halt die Pappen!«, schimpfte Micha halblaut, als jetzt wieder lautes Stöhnen ertönte. »Sonst lass ich los!« Das wirkte und das Jammern verstummte. Endlich war es so weit, dass Micha sich hinknien und den Rest allein erledigen konnte.
»Das war Hilfe in letzter Sekunde!«, flüsterte der Gerettete dankbar. Es war zu dunkel, um auszumachen, wer es war. »Wie kann ich mich erkenntlich zeigen?«
»Indem du weitergehst und so tust, als hättest du dich selbst aus der Patsche befreit«, erwiderte Micha. »Schimpfe und lamentiere halblaut weiter, damit man merkt, dass du dich entfernst ... Und bleib dann weg und gibt Ruhe.« Der Pechvogel zögerte noch. Erst als Micha hinzufügte: »Nun schleich dich!«, rappelte er sich auf und hinkte den Weg hinab, wo er kurze Zeit später die Brücke passierte. Im Licht der Hauslaterne erkannten sie ihn. Es war der kleine Mann mit Regenmantel und Baskenmütze, den sie am Montag kennen gelernt hatten.
»Es scheint tatsächlich ein Fluch auf ihm zu liegen«, lachte Max. »Jedes Mal, wenn wir ihn sehen, hat er einen Unfall ... Und es wird schlimmer.«
»Ich frage mich, was er bei diesem Wetter des Nachts in der Schlucht will«, erwiderte Micha. »Er sollte von solchen Abenteuern langsam die Nase voll haben.«
»Hoffentlich hat er uns nicht alles verdorben«, bemerkte Max. Das war nicht ehrlich. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man die Sache sofort abgebrochen.
»Das werden wir gleich sehen«, gab Micha zurück. »Ich schlage vor, wir warten noch eine halbe Stunde.«
Max nickte missmutig. Micha hatte Recht. Sie hatten ihre Anwesenheit wohl nicht verraten. Der Lärm hatte sich auf ein Mindestmaß beschränkt. Wenn Ruhe eingetreten war, würde sich dort unten vielleicht doch noch etwas tun.
Dann ging alles überraschend schnell. Als Micha ihn am Ärmel zupfte, sah Max es auch: Eine dunkle Gestalt kam mit einem Sack auf der Schulter um die Schlottermühle herum. Sie war in einen langen Mantel gehüllt und hatte einen breiten Hut tief ins Gesicht gezogen. Es schien ein Mann zu sein. Mehr war im trüben Schein der Hauslaterne nicht zu erkennen. Von der Größe her konnten es der Wirt, Zigahn oder auch der Geologe sein.
»Er kommt herauf«, flüsterte Micha, »wir postieren uns besser etwas höher, um zu sehen, wo er hingeht.« Die Jungen huschten den Weg hinauf, durch die Kehre von der Einsicht von unten geschützt. Oben am Bahndamm, wo der Pfad ein Stück an den Gleisen entlangführt, versteckten sie sich im Gebüsch. Zum Glück drang gerade das Mondlicht durch die Wolken, sodass die Beobachtung erleichtert wurde. Es dauerte nicht lange, bis der Vermummte ankam. Er schien jemanden zu erwarten; denn er machte ebenfalls am Bahnkörper Halt, setzte seinen Sack ab und sah prüfend in die Runde. Dann ließ er eine Taschenlampe aufblinken und schaute auf die Armbanduhr. Kurz darauf wurde in der Ferne das leise Dröhnen von Rädern hörbar.
In der Dunkelheit leuchteten plötzlich zwei gelbe Augen auf, die einen milchigen Schein auf die Schienen warfen, während die Maschine ihre Geschwindigkeit drosselte. »Eine Draisine«, erklärte Micha leise. »Man braucht sie für Reparaturarbeiten.« Als das Gefährt das Versteck der Jungen passiert hatte, hielt es an. Ein Lichtkegel suchte den Schienenrand ab und eine Stimme rief halblaut in gebrochenem Deutsch: »Miron, ... du da?«
Der Vermummte trat an das Gleis heran. »Lösch das Licht. Wir können keine Zuschauer gebrauchen!«
»Kein Angst! ... Niemand da in Nacht schwarzer!«, lautete die unbekümmerte Antwort.
»Ich weiß nicht! ... Vor kurzem kam ein Passant entlang. Außerdem war es mir so, als hätte ich zwei Schatten den Weg hinaufhuschen sehen. Mach besser das Licht aus.«
Darauf verlöschten die Lampen des Fahrzeugs schlagartig. »Dann wickeln ab wir Geschäft schnell«, sagte der Ausländer auf der Draisine beunruhigt und wesentlich leiser. »Wo ist Ware?«
»Hier!« Der Vermummte fasste in den Sack.
In diesem Moment ging ein Scheinwerfer an und eine Lautsprecherstimme rief: »Hier spricht die Zollinspektion! Lassen Sie den Sack fallen und nehmen Sie die Hände hoch! Vorsicht: Es wird scharf geschossen!«
Die Männer standen einen Moment wie versteinert. Dann warf der Ausländer auf der Draisine den Motor an und fuhr mit voller Beschleunigung wieder rückwärts den Berg hinauf. Gleichzeitig sahen die Jungen dort, wo der Komplize mit Hut stand, einen Mündungsblitz und hörten ein Krachen. Micha gelang es noch, Max von den Beinen zu reißen. Der Kerl feuerte die Pistole noch ein zweites Mal ab, sprang dann mit einem Satz in den Wald und brach bergabwärts - mehr rutschend als laufend - durch das Unterholz.
»Das war knapp«, sagte Max, als er sich vom Boden aufraffte. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Bande gleich schießen wird. Aber wo bleibt die Zollinspektion?«
Micha lachte: »Die hat sich durch mich vertreten lassen.«
»Durch dich vertreten lassen?!«, wiederholte Max verblüfft. »Heißt das, DU hast gerufen? ... Aber der Lautsprecher und der Scheinwerfer!«
»Ich hatte mich für alle Fälle damit ausgerüstet. Du hast dich ja über meinen großen Rucksack gewundert.«
Micha öffnete dann den sichergestellten Sack. »Sieh da!«, sagte er nach einer Untersuchung ... »Zigaretten aus Osteuropa ohne Banderole! Da haben wir Entführer gesucht und Schmuggler gefunden. Aber vielleicht hängt es zusammen.«



©byChristine Erdic